Reinigungsmilch-Test: Avène, L‘Oréal und L‘Occitane fallen durch - ÖKO-TEST

2022-06-07 07:59:30 By : Mr. Paul Chen

Jetzt gratis unser Testurteil zu 36 Produkten abrufen!

Jahrbuch Kosmetik 2021 | Autor: Johanna Michl/Heike Baier | Kategorie: Kosmetik und Mode | 10.12.2020

Reinigungsmilch steht im Ruf, die Haut im Gesicht besonders schonend von Make-up und Schmutz zu befreien. Wir haben 36 Produkte getestet. Das Ergebnis: Die meisten überzeugen, von drei Marken raten wir allerdings ab – die Gründe sind vielfältig.

Aktualisiert am 10.12.2020 | Es kommt eine ganze Menge zusammen, was sich im Laufe eines Tages so auf der Gesichtshaut niederlässt. Bei den meisten Frauen zunächst eine Tagescreme. Dann vielleicht noch ein Sonnenschutz oder eine Schicht Make-up. Bis zum Abend gesellen sich Talg, Schweiß, Staub und Schmutz aus der Luft hinzu. Klar, dass das von der Pelle muss, denn in der Nacht will die Haut atmen.

Allerdings geht mit der unliebsamen Schmutzschicht auch immer ein Teil des hauteigenen Schutzmantels verloren. Reinigungsmilch wirbt damit, besonders schonend zu sein. Sie ist auch häufig für trockene, reife oder empfindliche Haut ausgelobt. Wir haben 36 Produkte eingekauft und getestet, wie verträglich die Inhaltsstoffe sind.

Das Ergebnis: 27 Reinigungsmilche im Test bewerten wir mit Bestnote. Nimmt man die drei Produkte dazu, die "gut" sind, können wir über drei Viertel der überprüften Reinigungsmilche empfehlen. Das freut uns.

Leider ist es dennoch nicht so, dass Käuferinnen völlig bedenkenlos ins Regal greifen könnte: Drei Produkte am unteren Ende der Skala disqualifizieren sich für die Reinigung. Sie erreichen nur ein "mangelhaft". Drei weitere Reinigungsmilche schneiden mittelmäßig ab. 

In der L’Oreal Reinigungsmilch kostbare Blüten und der Eau Thermale Avène Milde Reinigungsmilch sorgen aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH) für Notenabzug. MOAH können als Verunreinigungen von Paraffinen in Kosmetika gelangen. Schön ist das nicht – denn einige Verbindungen aus der MOAH-Gruppe stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen.

Von einem als mild geltenden Gesichtsreinigungsprodukt erwarten sich Verbraucherinnen zu recht etwas anderes – gerade wenn es, wie die Eau Thermale Avène Milde Reinigungsmilch, in der Apotheke angeboten wird.

In der Reinigungsmilch der Lifestyle-Marke L’Occitane fand das beauftragte Labor halogenorganische Verbindungen. Das passt zur Deklaration: Dort ist der Konservierungsstoff Chlorphenesin aufgeführt, der als allergieauslösend gilt und zu Hautreizungen führen kann.

Negativ fällt außerdem die Reinigungsmilch der Marke Nivea auf: Sie enthält den bedenklichen Duftstoff Lilial. Dieser hat sich in Tierversuchen als fortpflanzungsschädigend erwiesen. Den Duftstoff weisen die von uns beauftragten Labore häufig in den Produkten großer Kosmetikkonzerne nach.

Nivea-Hersteller Beiersdorf hat uns mitgeteilt, dass die Formulierung der Reinigungsmilch überarbeitet und dann künftig auf den Einsatz von Lilial verzichtet werde. Zur Info: Sie erkennen Lilial in der Liste der Inhaltsstoffe an der Bezeichnung "Butylphenyl Methylpropional".

Nun wollen wir noch die Frage klären, worauf die Reinigungswirkung einer Milch beruht – und aus welchem Grund sie als besonders schonend gilt.

Reinigungsmilch säubert nicht mithilfe schäumender Tenside – im Gegensatz etwa zum Waschgel oder Waschschaum. Tenside sind waschaktive Substanzen, unter denen es sowohl sehr aggressive als auch sanfte Vertreter gibt. Je nachdem, welche Tensid-Mischung und -konzentration im Waschprodukt vorliegt, reinigen sie sehr gut, können die Haut aber dabei auch stark entfetten.

Eine Reinigungsmilch säubert sanfter. Reinigungsmilche sind Emulsionen. In ihnen befinden sich Öle und Wasser, die mithilfe von Emulgatoren vermischt sind. Die Öle in Kombination mit Emulgatoren umschließen den fetthaltigen Schmutz wie Talg, Ruß oder Cremerückstände, und das Wasser spült ihn weg.

Auch eine meist ölige Make-up- und Puderschicht kann auf diese Weise ohne viel Rubbeln entfernt werden. Make-up lässt sich auch mit Seife oder Waschgel abwaschen. Allerdings braucht es dafür viel mehr Tenside und viel mehr Rubbeln. Denn die Emulgatoren in der Reinigungsmilch sind genau genommen auch Tenside. Doch sie kommen in der Reinigungsmilch sehr viel sparsamer zum Einsatz als etwa in Waschgelen.

Die Reinigung mit einer Emulsion entfettet die Haut nicht so stark wie das Waschen mit Wasser und Seife oder einem Waschgel. Einige Hersteller behaupten auf ihrer Packung sogar, ihr Produkt "bewahre" den Schutzmantel der Haut.

Richtig ist: Jede Reinigung nimmt etwas von diesem Schutzmantel – der Mischung aus Hautfetten, abgestorbenen Hautschüppchen, Salzen und Aminosäuren. Andernfalls würde auch der Schmutz liegen bleiben – und der stört das Hautgleichgewicht ebenfalls.

Wir haben drei Tipps für Sie: 

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 10/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2021 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

Wir haben 36 Reinigungsmilchprodukte für die Anwendung im Gesicht untersucht und dafür Markenprodukte, Eigenmarken und auch einzelne Exemplare aus Reformhaus, Bio-Laden und Apotheke eingekauft. Die günstigste Reinigungsmilch im Test kostet gerade einmal 74 Cent pro 200 ml, die gleiche Menge der teuerste Milch satte 41,80 Euro.

Stecken in den Reinigungsprodukten Stoffe, die der Haut oder der Umwelt schaden können? Um das zu überprüfen, ließen wir die Produkte im Labor auf umstrittene Stoffe wie halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/-abspalter untersuchen. Auch schädliche Duftstoffe standen auf dem Analyseprogramm. Wir haben auch prüfen lassen, ob die Produkte PEG/PEG-Derivate oder synthetische Polymere enthalten. Das Testergebnis Inhaltsstoffe bildet die Grundlage für das Gesamturteil. Das Testergebnis Weitere Mängel beeinflusst das Gesamturteil nur, wenn es "befriedigend" oder schlechter ausfällt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Butylphenyl Methylpropional (in Tabelle: Lilial); b) MOAH; c) halogenorganische Verbindungen. Zur Abwertung um eine Note führen: PEG/ PEG-Derivate.

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um zwei Noten: synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier eine oder mehrere der folgenden Verbindungen: Carbomer, Sodium Carbomer, Acrylates C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Acrylates Copolymer, Sodium Polyacrylate). Zur Abwertung um eine Note führt: ein Umkarton, der kein Glas schützt.

Das Gesamtergebnis beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.  

Testmethoden (je nach Zusammensetzung der Produkte): Diethylphthalat, deklarationspflichtige Duftstoffe, Moschusverbindungen, Cashmeran: Extraktion mit TBME, GC-MS. Formaldehyd/-abspalter: saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol und Bestimmung mittels Fotometrie. Halogenorganische Verbindungen: a) Heißwasserextraktion mit anschließender Zentrifugation und Membranfiltration. Binden organischer Halogene an Aktivkohle. Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. b) Extraktion mit Essigester. Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom. Microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Konservierungsstoffe (u. a. Parabene): LC-UV. Mineralölbestandteile (MOSH/MOSH-Analoga/MOAH): LC-GC/FID. PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Juni–Juli 2020

Diesen Test haben wir zuletzt im ÖKO-TEST Magazin 10/2020 veröffentlicht. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben für das Jahrbuch Kosmetik für 2021 sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder wir neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt haben.

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